Musikalischer Brillant beim Orgelfrühling

VON WERNER ZWARTE

Daniel Stickan, Uwe Steinmetz und Boris Becker spielten am Freitag mit Orgel, Saxofon und Percussion das Krummhörner-Orgelfrühling-Konzert in der Kirche in Jennelt. Es war ein weiterer musikalischer Brillant.
Jennelt – Auf einer Welle des Erfolges schwimmt der Krummhörner Orgelfrühling, in dem sich ein musikalischer Brillant an den nächsten reiht. Am Freitagabend gab es in der Kirche von Jennelt einen weiteren Höhepunkt mit „The Heart of the Rose“, eine Jazz-Suite mit musikalischen Bildern, quasi eine Adaption zur Lutherrose als Symbol der evangelisch-lutherischen Kirchen. Gut 150 Zuschauer lauschten gespannt dem Trio mit Boris Becker (Percussion), Daniel Stickan (Orgel) und dem Komponisten Uwe Steinmetz (Saxofon).

Die ausgewählten Choräle Martin Luthers im Sinne seines Glaubensbekenntnisses wurden von den Künstlern auf eine Weise hörbar dargestellt, wie sie unkonventioneller nicht hätten sein können. Die Einstimmung zum „Eingang“ glich einer Findung, wenn gehauchte bis schwere Atemzüge das Saxofon vibrieren ließen, wenn aus der Vielzahl der Per cussion-Instrumente vorerst nur ein Sammelsurium von angedeuteten Geräuschen die Aufmerksamkeit der Hörer erhöhte und wenn die Orgel dieses Konvolut an Instrumentarium mit einem vorsichtigen Klangteppich trug, dann war der Weg zum Crescendo, also zum lauter werden, geebnet.

Wie ein Schrei nach Hilfe wirkte das „Ach Gott vom Himmel sieh’ darein und lass dich des erbarmen“. Der Text wurde akustisch mehr als deutlich, Symbole waren nachempfindbar.
Jazz in sakralen Gemäuern, teils im Free Style, ist ungewohnt. Aber wenn man das Konzert als Ganzheit betrachtet, legt man als Hörer irgendwann den Hebel um, und akzeptiert das, wenn Kirche auf Swing trifft. Die Instrumente bestimmen die Handlung in wechselnden Solo-Dominanzen. Sowohl mit dem Sopran-Saxofon als auch mit dem klassischen Saxofon wurden tiefe Emotionen hörbar. Boris Becker, nur ein Namensvetter des Tennisstars, bewies seine ganze Virtuosität auf seinen Rhythmusgeräten, dabei lernte das Publikum auch ein Daumenklavier kennen, eine Sansola – eine ausgesprochene Rarität unter den Percussion-Geräten.

Eine tiefe Schwere füllte akustisch den Raum, als Daniel Stickan auf der Orgel die Macht des Todes darstellte bei „Christ lag in Todesbanden“. Sowohl Dissonanzen als auch harmonische Schwingungen, mehrfach mit elektronischen Halleffekten, wirkten wie eine Geräuschskala, wie Filmmusik. Der Wunsch nach Frieden in „Ausgang“ wurde im Stil eines Prozessionszuges hörbar.
Zum Ende hin wurde das Publikum zum Mitsingen des Psalms 4 gebeten, das mit der Verszeile „Du schaffst mir einen sichern Ort“ endet. Dieser Psalm ist gleichzeitig auch Motto des Orgelfrühlings.

Die Konzertreihe endete am Sonntagabend. Das Ensemble „Capella de la Torre“ spielte das festliche Abschlusskonzert in der Eilsumer Kirche. Die Rezension folgt.