Mit Theologie auf Augenhöhe

von Frank Füllgrabe

Die neue Staffel „Lebensklänge“ in St. Nicolai

Die Erwartungen an die Kirche haben sich verändert. Immer mehr Menschen sehnen sich nach Spiritualität und nach Orientierung in einer modernen, schnelllebigen Welt. Das ist auch eine Herausforderung für die Kirchenmusiker, die über einen riesigen Noten-Fundus an Liedern, Oratorien und Messen verfügen. Aber welche Bedeutung hat ein Auftritt von Kantoreien, Organisten und Instrumentalisten über das reine Konzert-Erleben hinaus? Am Mittwoch, 9. Juli, beginnt die zweite Staffel der Reihe „Lebensklänge – Jazz und Theologie“ in der St. Nicolaikirche. Die bisherige Resonanz weist darauf hin, dass offensichtlich ein vielversprechender Weg beschritten wird. Er führt inzwischen durch die ganze Republik.

„Kirchenmusik bleibt oft unter ihren Möglichkeiten, da wird etwas verschenkt“, sagt der Organist und Jazzpianist Daniel Stickan, Initiator und Organisator der Reihe. Was kann etwa eine Messe, die vor 300 Jahren geschrieben wurde, einem modernen Menschen noch wirklich mitteilen? „Keine Frage, Johann Sebastian Bach war ein genialer Komponist“, sagt Daniel Stickan, „aber er hat damals moderne, zeitgenössische Musik gespielt.“ Und: „Kirche ist kein Museum. Aber sie vergibt beispielsweise kaum noch Kompositionsaufträge.“

Zusammen mit dem Saxophonisten Uwe Steinmetz, mit wechselnden Theologen und Gast-Musikern gestaltet Daniel Stickan vier Abende, die eine Brücke schlagen sollen von den Grundlagen christlichen Glaubens, von theologischer Erkenntnis und Interpretation, hin zur zeitgenössischen Musik, zum Jazz, zur Improvisation.