Göttinger Tageblatt (12.09.13) über das Konzert in der Markuskirche Scheden (Kultur im Kreis):

Meditative Klang-Gebete
Kultur im Kreis: Jazz mit Stickan, Wunderlin und Steinmetz in der Markuskirche Scheden

Von Udo Hinz

Die Augen schließen, Ohren und Herz ganz weit öffnen: So erlebt man die Musik des Organisten Daniel Stickan, des Saxophonisten Uwe Steinmetz und des Marimbaphon-Spielers Simon Wunderlin am besten. Im Rahmen von „Kultur im Kreis“ gastierte das Trio in St. Markus in Scheden. Die Veranstalter holten damit drei der interessantesten jüngeren deutschen Jazzmusiker in die Region.

Tiefe Spiritualität durchdringt viele der größten Momente der Jazzgeschichte. An diese Tradition knüpften die Musiker an. Im Mittelpunkt: Werke des Swing-Klassikers Duke Ellington und des Broadway-Komponisten George Gershwin. Die Musiker rückten deren Stücke in ein neues Licht: als meditative oder auch aufwühlende Klang-Gebete.

Ellingtons berühmtes „Come Sunday“ interpretierte das Trio zärtlich und kontemplativ. Sein „Almighty God“ berührte durch eine ätherische Klangschönheit. Spannungsgeladen und groovend zelebrierten die Musiker den Titel „I Got It Bad“. Bei den anschließenden Gershwin-Kompositionen steigerte sich das Trio. Seinen Ohrwurm „I Love You Pergy“ spielten sie befreiend unprätentiös. Den Hit „Summertime“ führten die Improvisatoren von zarten Lyrismen zu aufschäumenden Klangwellen. Das „Lullaby“ wurde zur friedvollen Hymne.

Saxophonist Uwe Steinmetz wechselt zwischen schönen Melodien und hochenergetischen Improvisationen. Der in Göttingen geborene Daniel Stickan suchte aus den 22 Registern der Kuhlmann-Orgel sanfte Farben aus. Er begleitete mit einem belebenden, gelegentlich groovenden Puls. Seine Harmonien und Improvisationen offenbarten eine oft mysteriöse Welt hinter den schönen Melodien. Simon Wunderlin gab der Musik Wärme, die er mit weichen Schlägeln den Holzplättchen des Marimbaphons entlockte. Die Zugabe: „Nun ruhen alle Wälder“.